Noch kein Jahr alt, und schon ein Star: Paula ist die Jüngste an Bord des Ev. Kindergartens "Stadumer Arche" in Stadum. Alle lieben Paula, auch sie genießt offensichtlich die familiäre Atmosphäre in der überschaubaren Kindertagesstätte: Freut sich über Spielkameraden, krabbelt in Windeseile umher, verschenkt Bauklötze, lacht die Großen an. Mutter Antje Carstensen (41) ist zufrieden. Sie bringt Paula regelmäßig einige Stunden in den Kindergarten, um sie auf die Zeit nach den Sommerferien vorzubereiten. Dann will die gelernte Pädagogin wieder in den Beruf. "Wir probieren es," sagt Antje Carstensen. "Der Kindergarten ist leicht erreichbar. Das Konzept lebendige Bildung finde ich sehr gut. Anfangs war Paula hinterher gnaddelig, aber jetzt gefällt es ihr immer besser."
Wen wunderts - bietet die Stadumer Arche doch ein Spiel- und Lernparadies für Kinder. Die Jungs in der Bauecke diskutieren friedlich über Dinosaurier, zwei Mädchen streifen Kittel über und malen Blumen an die Fenster, der Duft von selbstgebackenen Brötchen zieht durchs Haus. Frühstückszeit. Paula kommt auf den Schoß, sitzt genauso mit am Tisch wie Stadums Bürgermeister Werner Klingebiel, dem Leon(5) unbedingt etwas erzählen muß: "Du, Bürgermeister, mein Papa hat einen Trecker, einen Lkw und eine A-Klasse..." Werner Klingebiel ist stolz auf "seinen" Kindergarten und die Schule nebenan, nennt sie "eine Art Dorfmittelpunkt". Den will er gerne erhalten. Er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Landesentwicklungsplanung und Schulreform schwächen den ländlichen Raum," sagt er,"aber das darf nicht auf Kosten der Kleinsten gehen." Die Kinder stillen draußen ihren Bewegungsdrang. Leon kutschiert im Dreirad über den Rasen, die Großen arbeiten an der Wasserpumpe. Dämme und Kanäle werden ausgehoben, komplizierte Rohrleitungen konstruiert. "Lebendige Physik", freut sich Kindergartenleiterin Inge Roßmeißl. Sie blickt zurück: "Wir haben sehr früh mit Einzelintegration angefangen. Dann Schulkindbetreuung, die Hinführungsgruppe - jetzt stellen wir uns auf ganz Kleine und die neuen Bildungleitlinien ein. Das sind immer Herausforderungen - aber als kleiner Kindergarten können wir vielleicht etwas flexibler sein." Paula ist müde, muß auf Mamas Arm. "Halbzwölf ist Schlafenszeit," meint Antje Carstensen und setzt Paula in den Kindersitz am Fahrrad. Drinnen werden Sitzkissen ausgelegt. Heute ist Freitag. Gleich kommen die anderen Eltern, um die Kindergartenwoche im Singkreis für groß und klein zu beschließen.
Bildergalerie
Wolfgang Pittkowski
[Erste Seite] [Vorige Seite] [Nächste Seite] [Letzte Seite] [Archiv: Übersicht]